Am Sonntag, den 23. August, lehnten etwa 10.000 Arbeiter bei John Deere in Iowa, Illinois und Kansas eine Verlängerung des Tarifvertrags um zwei Jahre ab. Die Abstimmung bedeutet, dass die derzeit gültige Vereinbarung am 31. Oktober 2027 ausläuft. Damit sind die Weichen für einen erneuten Tarifkampf gestellt, sechs Jahre nach dem 34-tägigen Deer-Streik von 2021, der von den United Auto Workers (UAW) verraten und beendet wurde. Weder die UAW noch Deere haben die Abstimmungsergebnisse veröffentlicht.
Deere hatte vorgeschlagen, den Tarifvertrag bis Oktober 2029 zu verlängern. Das Unternehmen bot Lohnerhöhungen von vier Prozent in den Jahren 2026 und 2027 sowie eine einmalige Prämie von 3.000 Dollar an. Eine bereits für den Herbst 2026 vorgesehene Pauschalzahlung von drei Prozent – auf Basis anrechenbarer Einkünfte – wäre auf den Herbst 2028 verschoben worden.
Eine Lohnerhöhung von vier Prozent liegt knapp über der offiziellen Inflationsrate (gemessen am Verbraucherpreisindex) von 3,4 Prozent für Juli 2026. Die Verlängerung des Tarifvertrags hätte die bestehende Struktur der Arbeitsverträge weitgehend beibehalten, darunter das Lohnstufensystem und das leistungsorientierte Prämiensystem CIPP; außerdem wäre die Krankenversicherung für Pensionäre, die nach 1997 eingestellt wurden, nicht wiederhergestellt worden.
Die UAW empfahl, den Vorschlag abzulehnen, doch die Entscheidung des Apparats, Deeres Vorschlag zur Vertragsverlängerung überhaupt zur Abstimmung vorzulegen, kommt an sich schon einem Verrat gleich. Es gab nichts, worüber man hätte abstimmen können.
Während Deere auf die Gewerkschaft zukam und zwei weitere Jahre Betriebsfrieden forderte, sollten 1.600 Arbeiter weiterhin entlassen bleiben und alle schlechten Bestandteile des Ausverkaufs von 2021 – das Stufensystem, die CIPP und die fehlende Gesundheitsversorgung für Rentner – bestehen bleiben. Dabei verfügt das Unternehmen über 10,28 Milliarden Dollar an Kapitalreserven und marktgängigen Wertpapieren.
Dass der Apparat den Vorschlag überhaupt in Erwägung gezogen hat, muss eine Warnung für 2027 sein. Das ist die gleiche UAW-Bürokratie, die den Streik 2021 beendet und drei Abstimmungen erzwungen hat, bis die Arbeiter aus Erschöpfung mit „Ja“ stimmten. Gleichzeitig hat sie sich selbst auf der Gewerkschaftskonferenz vor kurzem Gehaltserhöhungen von bis zu 30.000 Dollar bewilligt, aber gleichzeitig eine angekündigte Verringerung der Mitgliedsbeiträge abgeblockt.
Die Arbeiter müssen daraus jetzt Schlussfolgerungen ziehen: Der Kampf gegen Deere lässt sich nicht vom Kampf gegen den UAW-Apparat trennen. Eine Rebellion gegen den Apparat und die Entwicklung neuer Organisationsstrukturen, unabhängig von der Gewerkschaftsbürokratie, dem Management und beiden Parteien des Großkapitals, ist der einzige Weg zum Sieg. Um dafür zu kämpfen, wurde im Jahr 2021 das Deere Workers Rank-and-File Committee, das Aktionskomitee Deere, gegründet.
Die Ablehnung ist Teil einer wachsenden Welle des Widerstands der Arbeiterklasse, die sich über alle Industriezweige ausbreitet. Die World Socialist Web Site hat im Jahr 2026 mindestens 16 Fälle verzeichnet, in denen von den Gewerkschaften befürwortete vorläufige Vereinbarungen von den Arbeitern abgelehnt wurden. Bei Nexteer Automotive in Saginaw (Michigan) lehnten Arbeiter dreimal in Folge Tarifverträge ab – erst mit 96 Prozent, dann mit 73 und zuletzt mit 55 Prozent – und stimmten mit 86 Prozent für einen Streik. Die UAW legte ein viertes Abkommen vor und führte die Abstimmung über dessen Ratifizierung auf dem Werksgelände durch. Daraufhin wurde es mit 57 zu 43 Prozent für ratifiziert erklärt. Der Arbeiter Antwiane Sanders, ein entschiedener Gegner des Abkommens, wurde vor der Abstimmung entlassen.
Bei American Axle streikten die Arbeiter des Ortsverbands 2093 für zehn Tage und ratifizierten später ein neues Tarifabkommen mit etwa 80 Prozent. Bei Bridgewater Interiors lehnten die Arbeiter ein Abkommen zunächst mit etwa 95 Prozent ab, billigten ein überarbeitetes Abkommen jedoch am 30. Juni mit 80 Prozent. Nur zwei Tage vor der Abstimmung der Deere-Arbeiter, am 21. August, lehnten etwa 17.000 Boeing-Ingenieure und technische Beschäftigte, die in der Gewerkschaft SPEEA organisiert sind, Vorschläge für Tarifverträge mit vierjähriger Laufzeit ab – bei den Ingenieuren stimmten 64 Prozent dagegen, bei den Technikern 72 Prozent – und stimmten mit überwältigender Mehrheit für einen Streik, der schon am 7. Oktober beginnen könnte.
Derweil kommt Deeres Forderung nach Zugeständnissen in einer Lage, in der das Unternehmen enorme Gewinne verzeichnet. Im Haushaltsjahr 2025 nahm es 5,03 Milliarden Dollar ein. Nur wenige Tage vor der Abstimmung korrigierte es seine Prognose für den Nettogewinn im Jahr 2026 auf 4,75 bis fünf Milliarden Dollar. Laut den jüngsten Zahlen verfügt Deere über 9,3 Milliarden Dollar an Barmitteln und kurzfristige Kapitalanlagen.
Im Jahr 2025 gab es 1,1 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe aus und zahlte den Aktionären 1,7 Milliarden Dollar an Dividenden. Bis Mai 2026 wurden weitere 7,4 Milliarden Dollar für künftige Aktienrückkäufe vorgemerkt. Vorstandschef John May erhielt eine Gesamtvergütung in Höhe von 27,9 Millionen Dollar.
Im August 2025 entließ das Unternehmen 238 Arbeiter, davon 71 in der Gießerei in Waterloo, und behauptete, verantwortlich seien der Abschwung im Agrarsektor, niedrigere Warenpreise, höhere Zinsen und Kosten im Zusammenhang mit Zöllen. Seit 2015 hat Deere Tausende von Arbeitsplätzen im Mittleren Westen abgebaut, während der Aktienkurs in die Höhe schoss und Dividenden ausgeschüttet wurden.
Auf dem 39. UAW-Kongress in Detroit, der vom 15. bis zum 18. Juni stattfand, stimmten die Delegierten für Gehaltserhöhungen für die obersten Funktionäre zwischen 10.000 und 30.000 Dollar. Fains Bruttogehalt betrug im Jahr 2025 nicht weniger als 245.390 Dollar, seine Gesamtvergütung 276.378 Dollar.
Die UAW gab im Jahr 2025 weit über hundert Millionen Dollar für die Gehälter ihrer etwa 950 führenden Mitglieder aus. Die Gewerkschaft verfügt über Vermögenswerte in Höhe von 1,25 Milliarden Dollar, davon 857 Millionen an Kapitalanlagen und etwa 140 Millionen in Staatsanleihen. Zudem verhinderte der Gewerkschaftstag eine den Mitgliedern zuvor zugesagte Senkung der Mitgliedsbeiträge. Der ehemalige UAW-Präsident Ray Curry, der im Jahr 2021 für den Tarifvertrag bei Deere verantwortlich war, wurde als Ehrengast willkommen geheißen.
Will Lehman, sozialistischer Autoarbeiter und Kandidat für den UAW-Vorsitz: „Baut Aktionskomitees auf“
Will Lehman, der Mack-Trucks-Arbeiter und Kandidat der Basis für das Amt des UAW-Vorsitzenden, veröffentlichte im Juli eine Stellungnahme, in der er die Vertragsverlängerung als „Präventivschlag gegen die Mitglieder“ bezeichnete. Er rief die Deere-Arbeiter auf, sie rundheraus abzulehnen. Er erklärte weiter, es gäbe nichts, worüber man abstimmen könne.
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Lehman zog eine direkte Parallele von Deere zu Nexteer. Er warnte: „Das ist eure Zukunft, wenn ihr das dem Apparat überlasst. Eine ,unerwartete‘ Verlängerung, eine Lohnerhöhung unterhalb der Inflation [als die Erklärung veröffentlicht wurde, lag diese bei 4,2 Prozent], eine einmalige Prämie, eine Frist, die einen Kampf unterbinden soll – das ist das Drehbuch von Nexteer in anderer Verkleidung.“
Seine Erklärung schloss mit der internationalistischen Perspektive, die eine Bewegung der Arbeiter vom Nationalismus des Apparats unterscheidet: „Nicht mexikanische und deutsche Arbeiter sind eure Feinde. Der Feind sitzt in den Vorstandsetagen in Moline und im Solidarity House in Detroit.“
Lehman vertritt in seinem Wahlkampf für das Amt des UAW-Vorsitzenden ein Programm, das die Abschaffung der Gewerkschaftsbürokratie, die Übergabe der Macht und Kontrolle über die Mittel der Gewerkschaft an die Arbeiter in den Betrieben und den Aufbau von Aktionskomitees vorsieht, die vom Apparat und beiden kapitalistischen Parteien unabhängig sind. Lehman hat die Arbeiter bei Deere aufgerufen, das Deere Workers Rank-and-File Committee wiederzubeleben, das eine entscheidende Rolle im Streik von 2021 gespielt hat, und sich durch die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) mit den Arbeitern der Großen Drei, bei Nexteer, bei American Axle, Dana, Magna, Bridgewater Interiors und CNH zu vernetzen.
Es gibt zwei Wege. Der eine ist die Fortsetzung der Rebellion der Deere-Arbeiter – die Wiederbelebung des Aktionskomitees, der Aufbau einer vom UAW-Apparat und beiden kapitalistischen Parteien unabhängigen Organisation und die Vorbereitung einer Kampfstrategie für 2027 auf der Grundlage der Einheit der Arbeiter über Werks- und Ländergrenzen hinweg.
Der andere Weg führt dazu, dass diese Rebellion vom Apparat abgewürgt wird. Diese Bürokratie, die den Streik von 2021 beendet, die drei Abstimmungen erzwungen hat, bis die Arbeiter erschöpft waren, und die sich ihre eigenen Gehälter erhöht haben, während die Senkung der Mitgliedsbeiträge verhindert wurde – diese Bürokratie hat sich nicht geändert. Sie wird die nächsten 14 Monate damit verbringen, die Kräfte, die das Ergebnis vom Sonntag hervorgebracht haben, zu isolieren, zu demoralisieren und einzudämmen.
Das Ergebnis wird davon abhängen, was die Arbeiter tun – ab sofort. Die entscheidende Aufgabe ist der Aufbau von Aktionskomitees aus vertrauenswürdigen Arbeitern in allen Werken, um gegen die unweigerlich bevorstehende Sabotage der UAW-Bürokratie zu kämpfen, den Arbeitern die Mittel an die Hand zu geben, um die demokratische Kontrolle über ihren eigenen Kampf auszuüben und um zur Unterstützung durch alle UAW-Mitglieder, die Autoindustrie und die ganze Arbeiterklasse aufzurufen.
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