Linke Organisationen in Lateinamerika, Europa und Nordamerika setzen sich für den inhaftierten ukrainischen Sozialisten Bogdan Syrotjuk ein

Mindestens ein Dutzend linke politische Organisationen in 11 Ländern haben sich öffentlich hinter die Kampagne zur Freilassung von Bogdan Syrotjuk gestellt. Der 27-jährige ukrainische Sozialist Syrotjuk wurde am 10. August wegen Kriegsgegnerschaft zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die Petition, in der seine Freilassung gefordert wird, hat seit der Urteilsverkündung über 1.200 Unterzeichner aus 65 Ländern gefunden; insgesamt sind es bereits mehr mehr als 6.700.

Gruppen in Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Russland haben sich letzte Woche zu Wort gemeldet. Organisationen in Argentinien, Spanien, den Niederlanden und der Tschechischen Republik sind gefolgt, ebenso wie „Left Voice“ in den Vereinigten Staaten und zwei deutsche Gruppen.

Die „Junge Garde der Bolschewiki-Leninisten“, die Bogdan leitete, ist eine Jugendorganisation in der Ukraine, in Russland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, die dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale (IKVI) nahesteht. Die World Socialist Web Site, die Publikation des IKVI, veröffentlichte die sechs Artikel, welche die Staatsanwaltschaft als Beweismittel im Rahmen des Prozesses vorgelegt hatte.

Zu den jüngsten Unterzeichnern der Petition gehört „Política Obrera“, die argentinische Organisation unter der Leitung von Jorge Altamira, dem 84-jährigen Gründer und langjährigen Vorsitzenden der argentinischen Partido Obrero (Arbeiterpartei). Altamira gründete die Zeitschrift Política Obrera im Jahr 1964, führte die Partido Obrero jahrzehntelang, bis sie ihn 2019 ausschloss und daraufhin den älteren Namen wieder aufgriff.

Política Obrera forderte erstmals am 4. Mai 2024, neun Tage nach seiner Festnahme, Bogdans Freilassung. Am 17. August 2026 veröffentlichte sie einen Artikel über das Urteil, und am 22. August schrieb ihr Vorstand an das Stadtbezirksgericht Perwomajsk in der ukrainischen Region Nikolajew, wobei er die zentralen Passagen des Artikels wiederholte und das Gericht aufforderte, das Urteil aufzuheben.

In dem Artikel heißt es: „Es wurden keine Beweise für Sabotage oder direkte militärische Zusammenarbeit vorgelegt. Dies ist ein rein politischer Prozess.“

In Spanien veröffentlichte die Partido Comunista Obrero Español, die sich 1973 von der Kommunistischen Partei Spaniens abgespalten hatte, am Montag einen Beitrag auf X und verlinkte dabei auf den Bericht der WSWS über Bogdans Fall: „Am 10. August wurde die Verurteilung eines Sozialisten zu 15 Jahren Haft wegen angeblichen Hochverrats in der Ukraine bekannt gegeben. Der Grund? Die Veröffentlichung von Antikriegsartikeln, in denen russische und ukrainische Arbeiter zur Einheit aufgerufen wurden.“

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Am selben Tag veröffentlichte die „Grupo Tortuga“, ein antimilitaristisches Kollektiv im spanischen Valencia, die Stellungnahme der WSWS zum Urteil in voller Länge.

Die Revolutionäre Kommunistische Internationale, die linke Internationale unter der Führung ihres Mitbegründers Alan Woods, veröffentlichte am 19. August einen Solidaritätsaufruf, der ihren ukrainischen Unterstützern, der Marxist Tendency Ukraine, zugeschrieben wird.

Rudá Avantgarda, eine tschechische linke Organisation, die die Materialien der Internationale veröffentlicht, brachte noch am selben Tag eine tschechische Übersetzung heraus. Und „Socialistisch Alternatief“, eine seit 1977 aktive linke niederländische Organisation, hat die Stellungnahme inzwischen auf Niederländisch veröffentlicht.

In Berlin unterzeichnete Renate Dahlhaus die Petition am Sonntag im Namen der Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands und ihres Komitees für soziale Verteidigung, zwei Gruppen der spartakistischen Tendenz.

Left Voice, eine linke Publikation in den Vereinigten Staaten, forderte im Mai 2025, ein Jahr nach seiner Verhaftung, die Freilassung von Bogdan; ihre Erklärung wird auf der Petitionsseite der Kampagne zitiert: „Wir lehnen die Angriffe des ukrainischen Regimes auf Gegner des Stellvertreterkriegs, der der ukrainischen Arbeiterklasse nichts bringt, unmissverständlich ab.“

Zu den politischen Strömungen haben sich Wissenschaftler und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gesellt – darunter die Historiker Mario Kessler, Victoria Bynum, Mark Tauger und Grzegorz Rossoliński-Liebe sowie der Soziologe Volodymyr Ishchenko – und am Montag auch der herausragende Musiker George Shirley, der sich schriftlich an das Gericht gewandt hat.

Shirley war der erste schwarze Tenor, der eine Hauptrolle an der Metropolitan Opera sang. Der inzwischen 92-Jährige wuchs in Detroit auf und wurde der erste schwarze Musiklehrer an den öffentlichen High Schools der Stadt. Sein Debüt an der Metropolitan Opera gab er am 24. Oktober 1961 als Ferrando in Mozarts Così fan tutte.

George Shirley, Professor für Musik an der University of Michigan

Shirley lehrte zwei Jahrzehnte lang an der University of Michigan und wurde 2014 mit der National Medal of Arts ausgezeichnet, die ihm 2015 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama überreicht wurde.

Sein Brief beginnt mit einer Reihe von Fragen, darunter: „Ist die Ukraine ein Land, in dem demokratische Rechte bestehen, oder sind diese dort nicht vorhanden? Haben die Bürger dieses Landes das Recht, ihre Meinung zu äußern, oder müssen sie im Gleichschritt mit den derzeitigen Machthabern marschieren?“

„Ich schreibe, um meine Unterstützung für Bogdan Syrotjuk zu bekunden, der inhaftiert wurde, weil er die Wahrheit gesagt hat – so wie unzählige andere im Laufe der Geschichte, die den Mut dazu hatten, während andere aus Angst um ihre Freiheit und ihr Leben kläglich versagten“, schreibt Shirley.

Shirley fährt fort: Bogdans „Appell an jene Bürger Russlands und der Ukraine, die ein Ende des gegenwärtigen Gemetzels wünschen, ist ein vernünftiger und humaner Aufruf, das Leben aller Beteiligten zu bewahren, nicht zu zerstören!“

Er schließt mit den Worten: „Ich fordere Sie dringend auf, Bogdan Syrotjuk so schnell wie möglich freizulassen. Menschliches Leben ist heilig, und sein Aufruf zur Einheit mit jenen in Russland, für die der Krieg der USA und der NATO ein Gräuel ist, ist, gelinde gesagt, angebracht!“

Seit Freitagmorgen hat das englischsprachige Petitionsformular 298 Unterzeichner aus 40 Ländern hinzugewonnen, wobei Deutschland nach den Vereinigten Staaten an zweiter Stelle steht. Michael Bokovoy aus Michigan unterzeichnete am Sonntagabend und gab an, Mitglied der United Auto Workers Local 602 im General-Motors-Montagewerk in Lansing Delta Township zu sein.

Neben den Schreiben von Shirley und „Política Obrera“ sind seit dem 17. August 29 weitere Briefe an das Gericht eingegangen – der jüngste stammt vom 22. August – aus Australien, den Vereinigten Staaten, Sri Lanka, England, Frankreich, Deutschland, Dänemark, Bulgarien, Kanada und Brasilien sowie von Verfassern, die kein Land angegeben haben.

D. Dharshika, eine Pflegekraft am Kandy Hospital in Sri Lanka, schrieb am 21. August: „Bogdan Syrotjuk sprach sich für den Frieden und für die grenzüberschreitende Einheit der Arbeiter aus. Das ist kein Verrat – es ist die Stimme der Menschlichkeit.“

Will Lehman, der bei Mack Trucks beschäftigte Arbeiter, der für das Amt des Gewerkschaftsvorsitzenden der United Auto Workers kandidiert, schrieb am Sonntag auf X: „Am 10. August verurteilte ein Gericht in der Ukraine Bogdan Syrotjuk, einen 27-jährigen sozialistischen Kriegsgegner, zu 15 Jahren Haft, weil er geschrieben hatte, dass russische und ukrainische Arbeiter keinen Grund hätten, sich gegenseitig zu töten, und sie dazu aufgerufen hatte, sich gegen den Krieg zu vereinen. Ich fordere seine sofortige und bedingungslose Freilassung, und das sollte jedes Mitglied der UAW ebenfalls tun.“

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Die Social-Media-Beiträge, die den Fall letzte Woche einem breiteren Publikum zugänglich machten, finden weiterhin immer mehr Leser. Der Beitrag vom 15. August von Volodymyr Ishchenko, einem ukrainischen Soziologen an der Freien Universität Berlin, war bis Montagabend auf X 111.000 Mal aufgerufen worden – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 88.700 Aufrufen zum Zeitpunkt der ersten Berichterstattung.

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Auf Instagram veröffentlichte Fight For A Future, ein Account mit rund 780.000 Followern, am 19. August die Erklärung der WSWS; bis Montagabend war die Zahl der Likes für diesen Beitrag von 32.000 auf 37.900 gestiegen. Der Beitrag von MintPress News vom 20. August war von 5.500 Likes auf 7.082 gestiegen, und der Beitrag des italienischen Medienunternehmens InsideOver vom 18. August auf 6.126. Der Beitrag vom 19. August auf Budni Ukhilyanta, dem Telegram-Kanal für ukrainische Männer, die sich der Wehrpflicht entziehen, war 5.440 Mal aufgerufen worden.

Das Gericht verurteilte Bogdan unter Kriegsrecht wegen Hochverrats. Die Straftat bestand laut Wortlaut des Urteils in „Propaganda für die kommunistische Ideologie und die politische Strömung des ‚Trotzkismus‘“; als Beweis dienten sechs WSWS-Artikel und seine Korrespondenz mit den WSWS-Redakteuren. Die Staatsanwaltschaft legte keine Beweise für Spionage vor.

Ukraina.ru, eine Website im Besitz von „Rossiya Segodnya“, dem russischen Staatsmedienkonzern, der auch RIA Novosti und Sputnik betreibt, veröffentlichte am Samstag eine Analyse ihres Redakteurs Pawel Wolkow, in der dieser argumentierte, dass die Verurteilung nach ukrainischem Recht unhaltbar sei: Die Staatsanwaltschaft habe nie die ausländische Organisation nachgewiesen, für die Bogdan angeblich tätig war, abgesehen von „einem bloßen Verweis auf die Website der Vierten Internationale“, schreibt Wolkow, und Artikel 62 der ukrainischen Verfassung „verbietet ausdrücklich, eine Anklage auf Vermutungen zu stützen“.

Keine der großen westlichen Zeitungen oder Nachrichtenagenturen hat über den Fall berichtet. Eine Suche im Google-News-Index nach „Syrotjuk“ ergab am Montag etwa 80 Treffer: die Artikel der WSWS selbst, einige kleine Medien sowie nicht mit dem Fall in Verbindung stehende Personen, die denselben Nachnamen tragen.

Die Frist für Bogdans Berufung endet am 9. September. Unterstützer können sich schriftlich an das Stadtbezirksgericht Perwomajsk (inbox@pm.mk.court.gov.ua) und das Berufungsgericht Nikolajew(inbox@mka.court.gov.ua) wenden, mit Kopie an freebogdan@wsws.org, sowie die Petition unterzeichnen und für die Kampagne unter wsws.org/freebogdan spenden.

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