Die Kampagne für die Freilassung des 26-jährigen ukrainischen Trotzkisten Bogdan Syrotjuk trifft in Deutschland auf immer größere Resonanz. In den letzten Tagen und Wochen haben Mitglieder der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) und der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP) seinen Fall an Universitäten und in Arbeitervierteln bekannt gemacht und für die kommende Veranstaltung an der Berliner Humboldt-Universität geworben.
Donnerstag, den 28. Mai, 18:30 Uhr: „Freiheit für den sozialistischen Kriegsgegner Bogdan Syrotjuk! Stoppt den Ukrainekrieg!“, Hauptgebäude der HU (Unter den Linden 6, Raum 2091, 1. OG).
Bogdan wird seit über zwei Jahren unter unmenschlichen Bedingungen in einem ukrainischen Gefängnis festgehalten, weil er für die Einheit der ukrainischen und russischen Arbeiter gegen den Krieg eintritt. Obwohl die Anklage keine stichhaltigen Beweise vorlegen kann, wird ihm „Hochverrat unter Kriegsrecht“ vorgeworfen – ihm droht lebenslange Haft. Zuletzt hat ein weiteres Expertengutachten, das vom Gericht beauftragt wurde, die Kernpunkte der Anklage widerlegt. Trotzdem wurde Bogdans Haft verlängert.
Studierende, Arbeiter und Jugendliche aus Städten in ganz Deutschland erklären ihre Solidarität mit Bogdan und unterstützen seine sofortige Freilassung – ein Ausdruck des wachsenden Widerstands gegen Krieg, Militarisierung und die Unterdrückung demokratischer Rechte.
Das große Interesse an Bogdans Fall zeigt sich auch in der Reaktion auf ein Video der IYSSE auf Instagram, das innerhalb kurzer Zeit 10.000 Aufrufe und über 600 Likes erhielt. Eine Nutzerin macht in ihrem Kommentar deutlich, dass die Verfolgung von Bogdan weit über die Ukraine hinausreicht: „Wer sich für Frieden einsetzt, ist so gefährlich, dass man ihn ins Gefängnis steckt ... ??! Dann bin ich jetzt wohl auch gefährlich.“
Während die großen bürgerlichen Medien seit über zwei Jahren über Bogdan Syrotjuk und die Verfolgung von Kriegsgegnern in der Ukraine schweigen, hat nun die Zeitung Neues Deutschland (nd) über seinen Fall berichtet. In dem Artikel „Bogdan Syrotjuk: Nicht Freund des Feindes. Feind des Krieges“ zeigt der Journalist Peter Nowak auf, dass Bogdan zu Unrecht in Haft sitzt. „Trotz der neuen Expertise hält die Anklage vorerst an ihrer Behauptung fest, Syrotjuk unterstütze Russland. Dabei ist er keinesfalls ein Anhänger des Putin-Regimes. Im Gegenteil.“
Nowak schildert Syrotjuks Werdegang, der in Reaktion auf den nationalistischen Rechtsruck in der Ukraine nach 2014 die Junge Garde der Bolschewiki-Leninisten aufbaute, eine trotzkistische Jugendorganisation in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Seine Artikel ebenso wie die World Socialist Web Site, auf der sie erschienen sind, wenden sich klar gegen russischen und ukrainischen Nationalismus und treten für die Einheit der Arbeiter beider Seiten ein, so Nowak. Er geht auch auf die weitreichende Repression in der Ukraine ein, die zum Verbot der WSWS im Juni 2025 und der Verhaftung anderer Kriegsgegner führte.
Am Infostand der IYSSE vor der Mensa der Humboldt-Universität äußerten viele Studierende ihre spontane Unterstützung für Bogdan und reagierten entsetzt auf die Kriegsentwicklung. „Wenn hier die Wehrpflicht wieder eingeführt wird, werden wir auch solche Zustände haben, dass Kriegsgegner verhaftet werden. Das Verheizen in der Ukraine holen sie auch hierher“, sagte ein Student im Gespräch mit Tamino, der die IYSSE im Studierendenparlament der HU vertritt.
Als Tamino erwähnte, dass Verteidigungsminister Boris Pistorius zuletzt in Kiew war und erklärt hatte, er wolle von den Erfahrungen in der Ukraine lernen, antwortete er: „Ja, ich habe auch gehört, dass die Ukraine als Technologieführer Europas bezeichnet wird. Aber was ist das für Technologie? Drohnen und Kriegstechnologie.“ Er fügte hinzu, dass auch in Deutschland jedem, der den Krieg ablehnt, „russische Propaganda“ vorgeworfen werde – genau wie Bogdan.
Mitglieder der SGP, die aktuell Unterschriften für die Kandidatur bei der Berlin-Wahl sammeln, unterstützten ebenfalls die Kampagne und diskutierten am Wochenende mit Berlinern über die Bedeutung von Bogdans Freilassung und die Notwendigkeit, eine sozialistische Antikriegsbewegung aufzubauen.
Die WSWS hat mehrere Solidaritätserklärungen von Studierenden und Arbeitern erhalten, die Bogdans willkürliche Verhaftung und die heuchlerische Propaganda für den Ukrainekrieg verurteilen und die internationale Bedeutung seiner Freilassung hervorheben.
Der 22-jährige Paul, ein Student aus Nürnberg, schreibt: „Ich unterstütze die Kampagne für die sofortige Freilassung von Bogdan Syrotjuk. Seine Verfolgung steht in offenem Widerspruch zur Darstellung der Ukraine als angeblicher Verteidigerin von Demokratie und Freiheit.“
Das Selenskyj-Regime sei völlig antidemokratisch: „Wahlen sind ausgesetzt, linke Opposition wird unterdrückt, Kriegsgegner werden als Verräter behandelt und Bogdan wird trotz gesundheitlicher Probleme notwendige medizinische Versorgung verweigert. Ein solches Vorgehen verstößt gegen grundlegende Menschenrechte.“
So sieht es auch Katharina, die als Erzieherin in einer Berliner Kita arbeitet. Sie warnt: „An Bogdan wird gerade ein politisches Exempel statuiert – das Hinauszögern seiner Verhandlung sowie die Verweigerung grundlegender (zahn)medizinischer Versorgung –, um jegliche politische Opposition zur imperialistischen Herrschaft zu unterdrücken. Wir müssen vereint um seine Freilassung und die Wahrung demokratischer Grundrechte kämpfen.“
Für Stephan, ein Veranstaltungskaufmann aus dem Ruhrgebiet, zeigt der Umgang mit Kriegsgegnern den autoritären Charakter des Selenskyj-Regimes: „Während an der Front mit dem faschistischen Asow-Bataillon gekämpft wird und Denkmäler für den Nazi-Kollaborateur Stepan Bandera errichtet werden, wird jegliche Opposition gegen den Stellvertreterkrieg der europäischen und russischen Oligarchie aufs Schärfste bekämpft und das Erbe der Sowjetunion vernichtet. Diese Punkte unterstreichen den rechtsextremen Charakter des Selenskyj-Regimes, dessen politischer Gefangener Bogdan ist.“
Seit dem ersten Golfkrieg 1990–1991 führen die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg. Gestützt auf ein marxistisches Verständnis der Widersprüche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Militärinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.
Die Verfolgung von Opposition sieht der ukrainische Student Semyon als internationales Phänomen: „In den USA wird die gesamte Bevölkerung von der Trump-Diktatur und der ICE-Gestapo in Angst gehalten, in Deutschland werden Gegner des Gaza-Genozids verfolgt und in der Ukraine werden Gegner des Krieges und des Selenskyj-Regimes verhaftet und unter lebensbedrohlichen Bedingungen festgehalten.“
Semyon, der selbst vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflüchtet ist, hebt hervor: „Bogdans Verhaftung sowie die Verhaftung von Dutzenden anderer politischer Gegner bezeugen die Tatsache, dass es im Ukrainekrieg nicht um die heuchlerische ‚Verteidigung der Demokratie‘ geht, sondern um die imperialistischen Interessen der NATO-Mächte, die diesen Krieg absichtlich provoziert haben.“
Lennard, ein 24-jähriger Arbeiter in Bayern, kritisiert das Schweigen westlicher Regierungen angesichts der Verfolgung ukrainischer Arbeiter und Jugendlicher unter dem bewusst vage gehaltenen Artikel des „Hochverrats“. Und nicht nur dort: „Dieselbe Untätigkeit zeigte sich beim israelischen Abfangen der Friedensflottille in internationalen Gewässern: rechtswidrige Festnahme, Deportierung, Berichte über Misshandlung von Aktivist:innen – folgenlos. Keine Konsequenzen, kein Aufschrei der Institutionen.“
Aus der Sicht von Tilo, der an der Universität in Göttingen studiert und die IYSSE unterstützt, nutzt Deutschland den Krieg, um aufzurüsten und den Sozialstaat abzubauen. „Gleichzeitig werden kritische Meinungen zur Ukraine oder Israel als ‚Terror-Unterstützung‘ verunglimpft – Bogdans Freiheit ist ein Zeichen der Freiheit für uns alle, die gegen den Krieg der Herrschenden sind.“
Er verweist auf die historische Dimension: „Die russische Revolution von 1917 hat gezeigt, dass die bewusste internationale Arbeiterklasse die Macht hat, Weltkriege zu beenden. Dafür muss das kapitalistische Nationalstaatensystem als Ursache der Kriege anerkannt und durch eine weltweite trotzkistische Bewegung abgeschafft werden.“
Für den Bonner Studenten Jonas hat der Fall unmittelbare Bedeutung für Deutschland: „Bogdans Kampf für die Einheit der russischen und ukrainischen Arbeiterklasse stellt nicht nur aus Sicht der ukrainischen Bourgeoisie eine Bedrohung dar, sondern auch für den deutschen Imperialismus, da er Arbeitern hierzulande einen realen Weg aufzeigt, um die gegenwärtige Kriegsentwicklung zu stoppen. Daher sollten sich alle Arbeiter, die den Krieg gegen Russland ablehnen, für seine Befreiung einsetzen.“
„Durch den Krieg in der Ukraine werden entgegen der Aussagen unserer Politiker Demokratie und Menschenrechte angegriffen und nicht verteidigt!“, erklärt auch Martin, der in NRW im öffentlichen Dienst arbeitet. „Im Gegenteil werden diese Werte dadurch verteidigt, dass man sich für Kriegsgegner wie Bogdan und sein Recht einsetzt, seine Meinung frei vertreten zu können.“
Der Fall Bogdan Syrotjuk geht weit über das Schicksal eines einzelnen politischen Gefangenen hinaus. Er ist ein Prüfstein für die gesamte Antikriegsbewegung. Der ukrainische Student Semyon von der IYSSE schlussfolgert: „Der Kriegswahnsinn und die weltweite Zerstörung demokratischer Rechte können und müssen gestoppt werden! Doch damit dies geschieht, brauchen die Jugend und die internationale Arbeiterklasse eine effektive politische Perspektive. Die Kampagne für Bogdans Freilassung stellt die Perspektive gegen Diktatur und Krieg vor – die sozialistische Perspektive gegen deren Wurzel, den Kapitalismus.“
Kommt zur Veranstaltung „Freiheit für den sozialistischen Kriegsgegner Bogdan Syrotjuk! Stoppt den Ukrainekrieg!“ am Donnerstag, 28. Mai 2026, 18:30 Uhr, Humboldt-Universität Berlin (Raum 2091, 1. OG, Unter den Linden 6, 10117 Berlin). Unterzeichnet die Petition auf wsws.org/freebogdan und unterstützt aktiv die Kampagne für Bogdans Freilassung.
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