Diese Rede hielt Alex Lantier, nationaler Sekretär der Parti de l’égalité socialiste (PES), bei der Online-Kundgebung zum 1. Mai 2026, die von der WSWS und dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale organisiert wurde.
Genossinnen und Genossen, Freundinnen und Freunde, die Parti de l’égalité socialiste, Frankreich, übermittelt euch ihre brüderlichen Grüße zum 1. Mai, dem internationalen Tag der Arbeit. Es ist offensichtlich: Nie zuvor war der internationale Kampf so notwendig wie im Jahr 2026, da die Welt in Flammen steht. Und die europäischen Regierungen schütten weiter Öl ins Feuer.
Im Februar haben die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran begonnen. Tausende Ziele wurden bombardiert, Städte verwüstet und eine ganze Region ins Chaos gestürzt. Eine amerikanische Blockade verhindert, dass Öl, Gas und Düngemittel die Weltwirtschaft erreichen, und Trump droht, den Iran auszulöschen.
Offiziell hat sich Frankreich nicht für diesen Krieg ausgesprochen, aber was machen dann seine Soldaten am Golf? Seine Luftwaffenstützpunkte werden genutzt, um die Flugzeuge zu betanken, die den Iran bombardieren. Die Regierung verteidigt ihre Entscheidungen mit dem Argument, damit zur freien Schifffahrt in der Straße von Hormus beizutragen. Mit anderen Worten: Sie ist bereit, mit den von ihr entsandten Schiffen den Iran zu bedrohen, um Ölinteressen zu schützen und die amerikanisch-israelische Offensive diplomatisch abzudecken.
Macron macht sich mitschuldig an der Aggression gegen den Iran und an Trumps Drohungen, die iranische Zivilisation auszulöschen. Das Debakel der amerikanischen Aggression gegen den Iran ist auch das Debakel des französischen Imperialismus.
Und während die Bomben auf den Nahen Osten fallen, wird auf den blauen Gewässern des Mittelmeers ein weiterer Krieg geführt. Allein am 4. April kamen 70 Menschen ums Leben, als ein kaum 15 Meter langes Boot die libysche Küste verließ, um den italienischen Hafen Lampedusa zu erreichen. Viele Stunden nach dem Schiffbruch konnten von den rund 100 Menschen an Bord nur 32 gerettet werden. Warum ist das so?
Europa weist die Flüchtlinge ab und schränkt die Rettungsmaßnahmen ein und treibt damit die Zahl der Ertrunkenen in die Höhe. Die Opfer sind Männer, Frauen und Kinder, die vor Elend und imperialistischen Kriegen geflohen sind. Seit 2014 sind mehr als 35.000 Menschen auf dem Weg nach Europa ums Leben gekommen: Sie sind ertrunken, an Hunger oder Durst gestorben oder von Sicherheitskräften hingerichtet worden.
In Libyen bringt die Küstenwache, die von europäischen Steuergeldern finanziert wird, die Flüchtlinge gewaltsam aus dem Meer zurück in die Lager, wo sie gefoltert, vergewaltigt oder in die Sklaverei verkauft werden.
Gleichzeitig beschließt Europa eine neue Verordnung, die Abschiebungen und die Unterdrückung der Einwanderer zur Regel macht.
Was wir erleben, ist keine Aneinanderreihung einzelner Krisen. Es ist eine weltweite, konterrevolutionäre Offensive der herrschenden Klasse. US-Außenminister Marco Rubio gab dies auf der Münchner Sicherheitskonferenz offen zu. Er erklärte, seit den „atheistisch-kommunistischen“ oder antikolonialen Kämpfen nach dem Zweiten Weltkrieg befinde sich die westliche Welt im Niedergang.
Seit dem ersten Golfkrieg 1990–1991 führen die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg. Gestützt auf ein marxistisches Verständnis der Widersprüche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Militärinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.
Der Imperialismus nimmt im Jahr 2026 nicht nur den Iran ins Visier. Auf dem Spiel stehen alle Errungenschaften der revolutionären Kämpfe des 20. Jahrhunderts. In Frankreich sind es die Überreste des Sozialprogramms aus der Befreiung: Sozialversicherung, Verstaatlichungen, Rechte, die sich die Arbeiterklasse auf den Trümmern des Nationalsozialismus erkämpft hatte. Es geht auch um das Erbe der afrikanischen antikolonialen Kämpfe; um jeden einzelnen Fortschritt, für den die Arbeitenden so hart gekämpft haben.
In Frankreich haben seit den Massenstreiks gegen die Rentenreform im Jahr 2023 mehrere Minderheitsregierungen versucht, der Bevölkerung das Diktat der kapitalistischen Oligarchie aufzuzwingen. Ermutigt durch die Tatsache, dass Mélenchon und die Gewerkschaftsführer diesen Kampf verraten haben, schlägt die Bourgeoisie ständig neue soziale Angriffe vor. Sie zielt darauf ab, Dutzende oder Hunderte von Milliarden Euro aus den Sozialausgaben in den Krieg und an die Banken umzuleiten.
Nachdem Mélenchons „Neue Volksfront“ gescheitert ist, versucht sie, rechtsextreme Kräfte und Ausländerfeindlichkeit zu legitimieren, um dieses diktatorische Projekt fortzusetzen.
Die Reaktion der Arbeitenden auf diese Situation darf nicht national begrenzt sein. Washingtons Debakel gegen den Iran markiert den Beginn einer neuen Ära im internationalen Klassenkampf. Es geht darum, immer größere Arbeitermassen zu mobilisieren, um die Eskalation des Dritten Weltkriegs und die Verfolgung von Migranten und Geflüchteten zu stoppen, den kriegstreiberischen Oligarchien die Macht zu entziehen und eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen.
Auf der Grundlage dieses Programms rufen wir Arbeitende und Jugendliche dazu auf, sich der Parti de l’égalité socialiste in Frankreich und den Sektionen unserer Bewegung auf der ganzen Welt anzuschließen.
